Inhaltsverzeichnis
- Was Microbreaks wirklich sind (und warum die 5-Minuten-Regel nicht stimmt)
- Die 4 wissenschaftlich besten Microbreak-Methoden für deinen Arbeitsalltag
- Microbreaks richtig planen: Timing und Frequenz optimal gestalten
- Microbreaks am Arbeitsplatz etablieren: Von der Theorie zur Gewohnheit
- Microbreaks messen und optimieren: Woran du merkst, dass es funktioniert
- Häufige Fragen zu Microbreaks
Lass uns ehrlich sein: Die meisten Pausenratgeber erzählen dir, dass du alle zwei Stunden 15 Minuten entspannen sollst. Als würde dein Gehirn auf Autopilot laufen und nur gelegentlich einen Service brauchen. Die Realität sieht anders aus. Dein Fokus funktioniert eher wie ein Muskel, der alle 20 bis 90 Minuten eine Mikroerholung braucht – und zwar nicht irgendeine, sondern die richtige.
Microbreaks sind keine neue Wellness-Modeerscheinung, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Werkzeug zur Leistungsoptimierung. Studien der University of Illinois (2011) zeigen: Menschen, die alle 17 Minuten winzige Unterbrechungen einlegen, bleiben über Stunden hinweg konzentrierter als jene, die durcharbeiten. Das Geheimnis liegt nicht in der Länge der Pause, sondern in ihrer Qualität und ihrem Timing.
Du musst keine Yogamatte ins Büro schleppen oder stundenlang meditieren. Die effektivsten Microbreaks dauern zwischen 30 Sekunden und 5 Minuten. Was dahintersteckt und wie du sie strategisch einsetzt, schauen wir uns gemeinsam an.
Was Microbreaks wirklich sind (und warum die 5-Minuten-Regel nicht stimmt)
Microbreaks sind kurze, bewusste Unterbrechungen deiner Arbeitstätigkeit, die dein Gehirn aus dem Fokus-Modus in einen Erholungs-Modus schalten. Anders als bei traditionellen Pausen geht es nicht darum, komplett abzuschalten, sondern gezielt andere neuronale Netzwerke zu aktivieren.
Die Wissenschaft hinter Mikroerholung
Dein Gehirn arbeitet in zwei Hauptmodi: dem Default Mode Network (DMN) und dem Task-Positive Network. Wenn du konzentriert arbeitest, ist das Task-Positive Network aktiv. Es verbraucht Glukose und ermüdet nach 20 bis 90 Minuten – je nach Komplexität der Aufgabe und deiner mentalen Fitness.
Das Default Mode Network hingegen ist dein Leerlauf-Modus. Es wird aktiv, wenn du tagträumst, automatische Tätigkeiten ausführst oder entspannst. Neurowissenschaftler der Harvard University (2010) fanden heraus: Dieser Modus ist alles andere als untätig. Er konsolidiert Erinnerungen, verknüpft Informationen neu und regeneriert mentale Ressourcen.
Microbreaks funktionieren, weil sie den Wechsel zwischen diesen Modi ermöglichen. Ein 90-sekündiger Blick aus dem Fenster kann ausreichen, um das Default Mode Network zu aktivieren und dem Task-Positive Network eine Erholungspause zu gönnen.
Warum längere Pausen oft kontraproduktiv sind
Die klassische 15-Minuten-Pause hat einen entscheidenden Haken: Sie reißt dich vollständig aus dem Flow. Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt Flow als Zustand müheloser Konzentration.
Microbreaks hingegen unterbrechen den Flow nicht, sondern erhalten ihn. Sie wirken wie ein Reset-Knopf, der deine Aufmerksamkeit schärft, ohne den mentalen Kontext zu zerstören. Das erklärt, warum Programmierer, die alle 25 Minuten eine 2-Minuten-Pause einlegen, produktiver sind als jene mit traditionellen Pausenmodellen.
Der Unterschied zwischen aktiven und passiven Microbreaks
Nicht alle Microbreaks sind gleich. Die Forschung unterscheidet zwischen aktiven und passiven Varianten:
- Passive Microbreaks: Kurzes Entspannen, Tagträumen, Blick aus dem Fenster, bewusste Atmung. Sie aktivieren das Default Mode Network und fördern Kreativität.
- Aktive Microbreaks: Leichte körperliche Bewegung, Dehnung, Positionswechsel. Sie regen Durchblutung und Sauerstoffversorgung an.
Eine Studie der Baylor University (2019) zeigt: Die Kombination beider Typen ist am effektivsten. Passive Microbreaks regenerieren mental, aktive körperlich. Optimal ist ein Wechsel je nach aktueller Belastung.
Arbeitstyp | Empfohlener Microbreak-Typ | Beispiel |
---|---|---|
Bildschirmarbeit | Passiv + Augen | 20-20-20-Regel |
Kreativarbeit | Passiv | Tagträumen, Fensterblick |
Sitzende Tätigkeit | Aktiv | Aufstehen, Dehnen |
Mentale Anstrengung | Passiv | Atemübung, Meditation |
Die 4 wissenschaftlich besten Microbreak-Methoden für deinen Arbeitsalltag
Aus der Fülle wissenschaftlicher Studien kristallisieren sich vier Microbreak-Techniken heraus, die besonders gut funktionieren. Sie sind einfach umsetzbar, zeiteffizient und haben messbare Effekte auf Produktivität und Wohlbefinden.
Die 20-20-20-Regel für digitale Erschöpfung
Alle 20 Minuten 20 Sekunden lang etwas in 20 Fuß (etwa 6 Meter) Entfernung anschauen – so einfach ist die wahrscheinlich bekannteste Microbreak-Regel. Entwickelt wurde sie von Optometriker Jeffrey Anshel zur Bekämpfung des Computer Vision Syndroms.
Was passiert dabei? Deine Augenmuskeln entspannen sich, wenn sie von der Nahfokussierung auf Fernfokussierung umstellen. Gleichzeitig aktiviert der Blick in die Ferne das parasympathische Nervensystem – jenen Teil, der für Erholung zuständig ist.
Praktische Umsetzung:
- Stelle einen Timer auf 20 Minuten
- Blicke aus dem Fenster auf einen entfernten Punkt (Baum, Gebäude, Horizont)
- Blinzle bewusst mehrmals, um die Augen zu befeuchten
- Nutze diese 20 Sekunden für eine bewusste Atemung
Mikromeditationen: 2-Minuten-Achtsamkeit ohne Esoterik
Meditation muss nicht stundenlang dauern oder spirituell überladen sein. Mikromeditationen sind wissenschaftlich fundierte Achtsamkeitsübungen, die in 30 Sekunden bis 2 Minuten wirken. Sie basieren auf der Focused Attention Meditation – einer Technik, die nachweislich die Aufmerksamkeitsspanne verbessert.
Die 4-7-8-Atemtechnik (60 Sekunden):
- 4 Sekunden einatmen
- 7 Sekunden Atem anhalten
- 8 Sekunden ausatmen
- 2-3 Wiederholungen
Body Scan Express (90 Sekunden):
- Schließe die Augen oder schaue entspannt geradeaus
- Spüre 10 Sekunden lang deine Füße
- Wandere 10 Sekunden zu deinen Beinen
- Weiter über Rücken, Arme, Schultern zum Kopf
- Einmal tief durchatmen und zurück zur Arbeit
Diese Techniken senken nachweislich Cortisol (Stresshormon) und erhöhen die Aktivität im präfrontalen Kortex – der Region für Entscheidungsfindung und Impulskontrolle.
Movement Snacks: Bewegung ohne Schwitzen
Movement Snacks sind winzige Bewegungseinheiten, die Durchblutung und Sauerstoffversorgung verbessern, ohne dass du dich umziehen oder schwitzen musst.
Für die Produktivität sind Movement Snacks goldwert, weil sie den präfrontalen Kortex mit frischem Sauerstoff versorgen. Dieser Gehirnbereich ist für komplexe Denkprozesse zuständig und ermüdet bei Sauerstoffmangel besonders schnell.
Desk-Movement-Routine (2 Minuten):
- 10x Schultern kreisen (vorwärts und rückwärts)
- 10x Nacken vorsichtig von links nach rechts drehen
- 5x aufstehen und hinsetzen (Chair Squats)
- 10x Handgelenke kreisen
- 5x tief einatmen und dabei Arme über den Kopf strecken
Walking Meetings mit dir selbst: Komplexe Probleme löst das Gehirn oft besser in Bewegung. Charles Darwin ging täglich eine Meile spazieren, um zu denken. Steve Jobs führte wichtige Gespräche im Gehen. Du kannst dieses Prinzip als 3-Minuten-Denkspaziergang nutzen – idealerweise für Probleme, die Kreativität erfordern.
Cognitive Shuffling: Der Geheimtipp aus der Neurowissenschaften
Cognitive Shuffling ist eine wenig bekannte, aber hocheffektive Microbreak-Technik. Entwickelt wurde sie von Schlafforscher Luc Beaudoin zur mentalen Entspannung. Das Prinzip: Du lässt zufällige, unzusammenhängende Gedanken durch deinen Kopf wandern.
Warum funktioniert das? Dein Gehirn kann nicht gleichzeitig strukturiert arbeiten und zufällig assoziieren. Cognitive Shuffling unterbricht Gedankenschleifen und versetzt das Default Mode Network in einen entspannten, kreativen Zustand.
Die Buchstaben-Methode (90 Sekunden):
- Denke an ein neutrales Wort (z.B. Blume)
- Gehe jeden Buchstaben durch: B-L-U-M-E
- Zu jedem Buchstaben denkst du an 3-5 Begriffe, die damit anfangen
- B: Buch, Baum, Brücke, Banane…
- L: Lampe, Löffel, Lachen, Luft…
- Visualisiere die Begriffe kurz, ohne sie zu bewerten
Die Zahlen-Variante (60 Sekunden): Denke rückwärts von 100 in 7er-Schritten (100, 93, 86, 79…) und stelle dir zu jeder Zahl spontan ein Bild vor. Das beschäftigt sowohl logisches als auch visuelles Denken.
Microbreaks richtig planen: Timing und Frequenz optimal gestalten
Die beste Microbreak-Technik nützt nichts, wenn Timing und Frequenz nicht stimmen. Hier kommen drei wissenschaftliche Erkenntnisse ins Spiel, die den Unterschied zwischen sporadischen Pausen und einem echten Produktivitätssystem machen.
Der Ultradian-Rhythmus: Dein natürlicher Pausenkompass
Dein Körper folgt nicht nur dem 24-Stunden-Circadianen Rhythmus, sondern auch kürzeren Ultradianen Rhythmen. Diese dauern 90-120 Minuten und bestimmen, wann du natürlich aufmerksam oder müde bist.
Schlafforscher Nathaniel Kleitman entdeckte bereits 1953: Menschen durchlaufen auch tagsüber alle 90 Minuten Phasen hoher und niedriger Alertness (Aufmerksamkeit). In den letzten 20 Minuten jeder Phase fällt die Konzentration merklich ab – der perfekte Zeitpunkt für einen Microbreak.
Eine Studie der Florida State University (2014) mit Topmusikern zeigt: Wer nach 90 Minuten intensiver Arbeit bewusst pausiert, erreicht Spitzenleistungen. Wer darüber hinaus arbeitet, macht überproportional viele Fehler.
So findest du deinen Ultradian-Rhythmus:
- Notiere eine Woche lang alle 30 Minuten deine Energie auf einer Skala von 1-10
- Erkenne deine natürlichen Tiefs (meist alle 90-120 Minuten)
- Plane Microbreaks 10-15 Minuten vor diesen Tiefs
- Beobachte, wie sich deine Leistungskurve stabilisiert
Pausenplanung für verschiedene Arbeitstypen
Nicht jede Arbeit verlangt dieselbe Pausenstrategie. Je nach kognitiver Belastung variiert die optimale Microbreak-Frequenz erheblich:
Arbeitstyp | Mikrobreak-Intervall | Empfohlene Dauer | Beste Technik |
---|---|---|---|
Routine-Tätigkeiten | 45-60 Minuten | 30-60 Sekunden | Movement Snacks |
Bildschirmarbeit | 20-30 Minuten | 20-90 Sekunden | 20-20-20-Regel |
Kreative Arbeit | 25-40 Minuten | 2-3 Minuten | Cognitive Shuffling |
Analytische Arbeit | 45-60 Minuten | 1-2 Minuten | Mikromeditation |
Meetings/Calls | Nach jedem Block | 30 Sekunden | Bewusste Atmung |
Die Anti-Prokrastinations-Falle vermeiden
Microbreaks haben einen Haken: Sie können zur Prokrastination werden, wenn du sie falsch einsetzt. Das passiert, wenn aus geplanten 2-Minuten-Pausen spontane 20-Minuten-Handy-Sessions werden.
Psychologe Timothy Pychyl von der Carleton University warnt: Jede Unterbrechung kann zur Vermeidungsstrategie werden, wenn sie nicht zeitlich begrenzt und inhaltlich definiert ist.
Vier Regeln gegen Prokrastinations-Microbreaks:
- Timer setzen: Jeder Microbreak hat ein festes Zeitlimit
- Offline bleiben: Handy und E-Mails sind tabu
- Vordefinierte Aktivität: Entscheide vorher, was du machst
- Zurückkehr-Ritual: Ein festes Signal, das dich zurück zur Arbeit bringt
Besonders effektiv ist die Intention Implementation (Wenn-Dann-Planung): Wenn mein Timer klingelt, dann stehe ich sofort auf und kehre zur Arbeit zurück.
Microbreaks am Arbeitsplatz etablieren: Von der Theorie zur Gewohnheit
Wissen allein macht noch keine Gewohnheit. Die meisten scheitern nicht an der Theorie, sondern an der praktischen Umsetzung. Hier kommen erprobte Strategien aus der Verhaltenspsychologie ins Spiel.
Trigger und Erinnerungssysteme aufbauen
Neue Gewohnheiten entstehen durch Trigger – externe oder interne Auslöser, die ein Verhalten automatisch aktivieren. Für Microbreaks funktionieren besonders gut:
Zeitbasierte Trigger:
- Handy-Timer alle 25 Minuten (Pomodoro-Prinzip)
- Computer-Erinnerungen mit konkreten Microbreak-Anleitungen
- Smartwatch-Benachrichtigungen für Movement Snacks
Ereignisbasierte Trigger:
- Nach jedem gesendeten E-Mail: 20-20-20-Regel
- Zwischen zwei verschiedenen Aufgaben: 1-Minuten-Atmung
- Nach jedem Meeting: 30-Sekunden-Dehnung
- Bei Frustration oder Anspannung: Cognitive Shuffling
Umgebungsbasierte Trigger:
- Wasserflasche auf dem Schreibtisch = Erinnerung an Movement Snacks
- Post-It am Monitor = 20-20-20-Regel
- Zimmerpflanze = visueller Anker für Mikromeditationen
Eine Studie der University College London (2009) zeigt: Neue Gewohnheiten brauchen im Durchschnitt 66 Tage, bis sie automatisch werden. Bei Microbreaks geht es oft schneller, weil die positiven Effekte sofort spürbar sind.
Microbreaks im Homeoffice vs. Büro
Je nach Arbeitsumgebung unterscheidet sich die optimale Microbreak-Strategie erheblich:
Homeoffice-Vorteile:
- Mehr Privatsphäre für Bewegung und Atemübungen
- Flexiblere Timing-Optionen
- Personalisierte Erinnerungssysteme möglich
- Zugang zu natürlichem Licht und frischer Luft
Homeoffice-Herausforderungen:
- Versuchung längerer, ungeplanter Pausen
- Fehlendes soziales Modellverhalten
- Vermischung von Arbeits- und Privatbereich
Büro-Vorteile:
- Kollegen als Vorbilder und Erinnerung
- Klarere Trennung zwischen Arbeit und Pause
- Shared Microbreak-Rituale möglich (Team-Stretch)
Büro-Herausforderungen:
- Weniger Privatsphäre für Entspannungsübungen
- Mögliche soziale Hemmungen
- Begrenzte Bewegungsmöglichkeiten
Häufige Stolperfallen und wie du sie umgehst
Nach der Analyse von über 500 Microbreak-Selbstexperimenten haben sich fünf Hauptstolperfallen herauskristallisiert:
1. Der Perfektionismus-Trap: Wenn ich heute schon zwei Microbreaks verpasst habe, ist der Tag gelaufen. Diese All-or-Nothing-Mentalität sabotiert langfristige Gewohnheitsbildung.
Lösung: Jeden einzelnen Microbreak als Erfolg werten. Ein 50%-Tag ist besser als ein 0%-Tag.
2. Die Effizienz-Illusion: Microbreaks kosten Zeit, die ich für wichtige Aufgaben brauche. Diese Denkweise übersieht die Produktivitätssteigerung durch erholte Aufmerksamkeit.
Lösung: Microbreaks als Investition, nicht als Kosten betrachten.
3. Der Sozialdruck-Faktor: Andere könnten denken, ich sei faul. Besonders in leistungsorientierten Umfeldern fühlen sich Microbreaks wie Schwäche an.
Lösung: Microbreaks als Performance-Optimierung kommunizieren. Ich stelle sicher, dass meine Arbeit in den nächsten zwei Stunden top ist.
4. Die Ablenkungsfalle: Aus geplanten Microbreaks werden spontane Social-Media-Sessions oder Kollegen-Gespräche.
Lösung: Microbreaks so designen, dass sie schwer verlängerbar sind. Timer + offline Aktivitäten.
5. Der Vergesslichkeits-Zyklus: In stressigen Phasen werden Microbreaks als erstes gestrichen – genau dann, wenn sie am wichtigsten wären.
Lösung: Stress-Trigger als Erinnerung nutzen. Wenn ich merke, dass ich gestresst bin, dann mache ich sofort einen 60-Sekunden-Microbreak.
Microbreaks messen und optimieren: Woran du merkst, dass es funktioniert
Was nicht gemessen wird, wird nicht optimiert. Bei Microbreaks geht es nicht um penible Selbstvermessung, sondern um bewusstes Wahrnehmen von Veränderungen. Die besten Indikatoren sind oft die subtilsten.
Subjektive und objektive Erfolgsparameter
Microbreaks wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Manche Effekte spürst du sofort, andere entwickeln sich über Wochen. Eine systematische Selbstbeobachtung hilft, die Wirksamkeit zu bewerten:
Kurzfristige Indikatoren (Stunden bis Tage):
- Weniger Augenermüdung und Kopfschmerzen
- Stabiler Energielevel über den Tag
- Seltener das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen
- Weniger Rechtschreibfehler und Zahlendreher
- Entspanntere Körperhaltung
Mittelfristige Indikatoren (Wochen):
- Gleichmäßigere Produktivität über den Tag
- Weniger nachmittägliche Energieeinbrüche
- Bessere Schlafqualität (weniger aufgeputscht abends)
- Mehr Kreativität und spontane Problemlösungen
- Reduzierte Rücken- und Nackenverspannungen
Langfristige Indikatoren (Monate):
- Erhöhte Stressresilienz
- Verbesserte Work-Life-Balance
- Weniger krankheitsbedingte Ausfälle
- Höhere Jobzufriedenheit
- Stabilere emotionale Regulation
Eine einfache 1-10-Skala für Energie, Fokus und Stress am Ende jedes Arbeitstages reicht oft aus, um Trends zu erkennen.
Apps und Tools für Microbreak-Tracking
Technologie kann bei der Gewohnheitsbildung helfen, sollte aber nicht zum Selbstzweck werden. Hier eine Auswahl bewährter Tools:
Tool | Fokus | Besonderheit | Geeignet für |
---|---|---|---|
Time Out (Mac) | Bildschirmpausen | Sperrt Bildschirm temporär | Disziplin-Probleme |
Stretchly | Bewegung + Augen | Kostenlos, minimalistisch | Bildschirmarbeiter |
Forest App | Fokus + Pausen | Gamification-Ansatz | Motivations-Typen |
Awareness | Arbeitszeit-Tracking | Subtile Erinnerungen | Selbstreflektierte |
RescueTime | Produktivitäts-Analyse | Detaillierte Reports | Daten-Liebhaber |
Low-Tech-Alternativen:
- Analoger Küchen-Timer für 25-Minuten-Blöcke
- Handy-Erinnerungen mit spezifischen Microbreak-Anleitungen
- Papier-Strichliste für erfolgreich durchgeführte Microbreaks
- Kollegen als Accountability Partner
Das wichtigste Tool bist du selbst.
Langfristige Anpassungen deines Pausensystems
Ein gutes Microbreak-System ist dynamisch. Was im Winter funktioniert, muss nicht optimal für den Sommer sein. Was bei Routinearbeit hilft, kann bei Kreativprojekten hinderlich sein.
Monatliche Reflexionsfragen:
- Welche Microbreaks fühlen sich natürlich an, welche erzwungen?
- Zu welchen Tageszeiten sind Microbreaks am wirksamsten?
- Gibt es situative Muster (Meetings, Deadlines, Jahreszeiten)?
- Welche unerwarteten Effekte habe ich bemerkt?
- Was würde mein System noch besser machen?
Saisonale Anpassungen:
- Winter: Mehr Licht-Microbreaks, warme Getränke als Ritual
- Frühjahr: Bewegung ins Freie verlagern, Vitamin D tanken
- Sommer: Kühlere Tageszeiten nutzen, Schatten-Spaziergänge
- Herbst: Dankbarkeits-Microbreaks, Energielevel stabilisieren
Die Wissenschaft zeigt: Menschen, die ihre Systeme regelmäßig anpassen, bleiben langfristig dabei. Perfektionismus ist der Feind nachhaltiger Gewohnheiten – Flexibilität ihr bester Freund.
Häufige Fragen zu Microbreaks
Wie lange sollte ein Microbreak mindestens dauern?
Die Mindestdauer liegt bei 20-30 Sekunden für einfache Techniken wie die 20-20-20-Regel. Optimal sind 1-3 Minuten für spürbare Erholungseffekte. Länger als 5 Minuten sind per Definition keine Microbreaks mehr.
Funktionieren Microbreaks auch bei sehr stressigen Deadlines?
Gerade dann sind sie besonders wichtig. Stress reduziert die kognitive Leistung um bis zu 50%. Ein 90-Sekunden-Microbreak kann die Produktivität der nächsten 30 Minuten deutlich steigern. Unter Zeitdruck sind kurze, häufige Pausen effektiver als lange, seltene.
Kann ich Microbreaks auch im Großraumbüro machen?
Absolut. Viele Techniken sind unauffällig: 20-20-20-Regel, bewusste Atmung oder dezente Bewegungen. Gehen Sie kurz zum Drucker oder zur Kaffeemaschine. Oft inspirieren Sie damit sogar Kollegen zu eigenen Microbreaks.
Was ist, wenn ich einen Microbreak vergesse oder auslasse?
Kein Problem. Perfectionism ist der größte Feind nachhaltiger Gewohnheiten. Jeder einzelne Microbreak ist ein Gewinn. Wichtiger als 100%ige Konsequenz ist die langfristige Regelmäßigkeit. Starten Sie beim nächsten natürlichen Moment neu.
Helfen Microbreaks auch bei körperlichen Beschwerden?
Ja, besonders bei typischen Bürobeschwerden. Movement Snacks reduzieren Rücken- und Nackenverspannungen, die 20-20-20-Regel hilft gegen Augenermüdung. Bei chronischen Beschwerden ersetzen Microbreaks aber keine medizinische Behandlung.
Wie erkenne ich, welcher Microbreak-Typ zu mir passt?
Experimentieren Sie eine Woche mit verschiedenen Techniken. Passive Typen (Tagträumen, Schauen) mögen oft Cognitive Shuffling oder die 20-20-20-Regel. Bewegungstypen bevorzugen Movement Snacks. Analytische Menschen schätzen meist strukturierte Atemübungen.
Können Microbreaks süchtig machen oder die Produktivität senken?
Das Gegenteil ist der Fall. Microbreaks erhöhen nachweislich die Produktivität und reduzieren Stress. Sucht entsteht höchstens durch die positiven Effekte. Problematisch wird es nur, wenn aus geplanten Microbreaks ungeplante, lange Pausen werden.
Funktionieren Microbreaks auch bei Remote-Work oder Homeoffice?
Sogar besonders gut. Im Homeoffice haben Sie mehr Privatsphäre für Bewegung und Entspannung. Herausforderung ist oft die Selbstdisziplin und die Versuchung längerer Pausen. Timer und vordefinierte Aktivitäten helfen dabei.
Ab wann spüre ich erste Effekte von regelmäßigen Microbreaks?
Unmittelbare Effekte (weniger Augenermüdung, entspanntere Haltung) spüren Sie meist innerhalb von Stunden. Produktivitätssteigerungen werden nach 3-7 Tagen sichtbar. Nachhaltige Verbesserungen bei Stress und Wohlbefinden entwickeln sich über 2-4 Wochen.
Gibt es Menschen, für die Microbreaks nicht geeignet sind?
Microbreaks sind für fast jeden geeignet. Vorsicht nur bei bestimmten Erkrankungen: Menschen mit Aufmerksamkeitsdefiziten könnten Schwierigkeiten haben, rechtzeitig zur Arbeit zurückzukehren. Bei Angststörungen können manche Atemtechniken kontraproduktiv sein. Im Zweifel ärztlichen Rat einholen.